Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, April 2012

Hämmern, schweißen, Bleche biegen

 
Sieger erhalten eine Trophäe - 31 Schüler beim Praxistag der Karl Eugen Fischer GmbH
 

Auch die 31 Schüler, die am Freitag und Samstag am Praxistag der Maschinenfabrik Fischer teilgenommen hatten, nahmen eine von ihnen selbst produzierten Pokal mit nach Hause. Denn gewinnbringend waren die fünf Stunden in dem Unternehmen, das Cordschneidanlagen für die Reifenindustrie herstellt, allemal. Die Jugendlichen streiften sich den Blaumann über, setzten sich die Schutzbrille auf und lernten hautnah zwei anspruchsvolle Berufe kennen, die im Landkreis Lichtenfels ein Schattendasein fristen: den Konstruktionsmechaniker und den Zerspanungsmechaniker.

Einige hatten beim Hineinschnuppern in die Welt der Abkantpressen, Brennscheidemaschinen und Handhebelscheren auch ihren Lieblingsberuf gefunden, so wie der 13-jährige Felix Böhmer aus Großziegenfeld, für den feststeht: "Ich möchte einmal Konstruktionsmechaniker werden. Das ist ein abwechslungsreicher und spannender Beruf, der meinen technischen und handwerklichen Neigungen entspricht."

Der 14-jährige Stefan Konrad aus Theisau, der die Mittelschule in Burgkunstadt besucht, will ebenfalls Mechaniker werden. Industriemechaniker wohlgemerkt. Ein Beruf, um den es beim Praxistag nicht ging, der aber vom Unternehmen ebenfalls angeboten wird. Bei einem Praktikum in der Maschinenfabrik hatte er diesen vor kurzem kennen gelernt. Nach dem Praxistag stand für ihn fest: "Diese Tätigkeit liegt mir mehr."

Nicht alle hatten danach solch klare beruflichen Vorstellungen, wie die beiden Mittelschüler Felix und Stefan: "Werkbank oder Bürostuhl?" Diese Frage beschäftigt Daniel Stark aus Marktzeuln, der die 9. Klasse des Gymnasiums Burgkunstadt besucht: "Es hat Spaß gemacht, einen Pokal herzustellen. Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich nach der zehnten Klasse eine Lehre als Bankkaufmann oder im technischen Bereich machen soll." Deshalb strebt der 15-jährige als nächstes ein Praktikum bei einer Bank an. Für nicht ausgeschlossen hält er es auch, bis zum Abitur weiterzumachen.

Wer hätte gedacht, dass man mit einer Brennschneidemaschine sowie einer 3200 Grad heißen Flamme Rösser aus Stahl und mit einer 100 Tonnen schweren Richtpresse Schlüsselanhänger herstellen kann, die das Aussehen eines Skateboards haben? Für die Jugendlichen, die mit Eifer und Wissbegierde bei der Sache waren, waren das bislang böhmische Dörfer gewesen, die beim Praxistag für einen Aha-Effekt sorgten.

Als Lotsen durch den Technikdschungel fungierten Auszubildende, die ganz offiziell Paten hießen. Einer von ihnen war Thomas Reuther. Beim Rundgang durch die Hallen spürte man, dass es dem 17-jährigen Hochstädter ein Herzensanliegen ist, den Schülern beim Arbeiten an den Maschinen Einblicke in die beiden Berufe zu vermitteln. "Ich möchte die Erfahrungen, die ich während meiner Ausbildung gemacht habe, weitergeben. Ein Lehrling weiß viel besser, worauf es bei den Zwischen- und Abschlussprüfungen ankommt, als jemand, der vor zehn Jahren seine Lehre beendet hat", sagte er.

Ein Gewinn war der Praxistag, für den man sich bei der Lichtenfelser Ausbildungsmesse am Stand der Maschinenfabrik Fischer bewerben konnten, auch für das Unternehmen. "In Zeiten, in denen es immer weniger Schulabgänger gibt, muss man mit solchen Veranstaltungen Flagge zeigen", sagt Doris Gerstner, Mitarbeiterin in der Personalabteilung. Das Unternehmen hat die Zahl der Lehrstellen zum neuen Ausbildungsjahr um sechs auf 17 erhöht.

Davon entfallen nach Auskunft von Ausbilder Markus Petterich vier auf den Beruf des Konstruktions- und drei auf den Zerspanungsmechaniker. Für ihn ist es wichtig, dass der Praxistag im Kopf der jungen Leute, präsent bleibe, um sie später als Lehrlinge zu gewinnen: "Das versuchen wir mit den selbst hergestellten Produkten wie dem Schlüsselanhänger oder dem Pokal zu erreichen." Wie zum Beweis und mit Stolz tragen die Jugendlichen ihre Pokale nach Hause.


Text und Foto: Stephan Stöckel

 

 

Auch Bohren will gelernt sein. Das erfuhren (von rechts) Daniel Stark, Stefan Konrad und Felix Böhmer beim Praxistag der Maschinenfabrik Fischer aus berufenem Munde: Auszubildender Manuel Ackermann (links) zeigte ihnen, wie man eine Säulenbohrmaschine bedient.

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