Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, Mai 2012

Blaumann statt Anzug und Krawatte

 
Praxis-Lehrertag bei der Maschinenfabrik Fischer / Pädagogen zeigen, was hinter bestimmten Berufen steckt
 

An diesem Nachmittag schlüpft der Kulmbacher Schulrat Mario Schmidt, der einst die Mittelschule in Altenkunstadt leitete, in eine ungewohnte Rolle: Statt Anzug und Krawatte trägt er Blaumann und Schürze, in seiner Hand hält er keinen Stift, sondern einen Schweißschirm. Auf dem Stundenplan steht das Fach Schweißen.

„Bitte achten Sie beim Schweißen auf die gleichmäßige Vorwärtsbewegung. Außerdem muss das Gerät passend zur Materialstärke eingestellt werden“, impft ihm der 21-jährige Mathias Bär immer wieder ein. Insgesamt 14 Pädagogen und Schulräte aus den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels nehmen am Praxistag der Maschinenfabrik Fischer in Burgkunstadt teil, die Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt.

Die Gäste erfahren, welche Anforderungen, Fertigkeiten, Kenntnisse und Tätigkeiten an die beiden Berufe Konstruktions- und Zerspanungsmechaniker gestellt werden. Zudem werden sie von Sicherheitsfachkraft Gerhard Barnickel eingehend über die Sicherheitsvorschriften im Hause informiert. „Laufen Sie nicht unter schwebende Lasten hindurch, die etliche Tonnen schwer sind“, schärft er den Pädogogen ein.

Bereits Ende März hatte das Unternehmen einen Praxistag für Schüler eingerichtet, jetzt sind die Lehrer an der Reihe. Was erhofft sich das Unternehmen davon? „Für uns ist es wichtig, die Lehrer mit ins Boot zu holen. Wenn man sieht, was alles hinter bestimmten Berufen steckt, kann man junge Leute, die für diese Tätigkeiten geeignet wären, auch besser dafür motivieren“, sagt Ausbildungsleiter Markus Petterich. Zudem spekuliert er darauf, dass bei dem einen oder anderen Schüler das Interesse an einer Lehre bei der Firma Fischer geweckt werde.

Die Lehrer und Lehrerinnen sind mit Feuereifer bei der Sache: Sie bohren, feilen, hämmern, sägen, schweißen Winkelbleche und fertigen mit einer 80 Tonnen schweren Richtpresse Schlüsselanhänger, in die ihr Name eingraviert ist. Und das alles unter der fachmännischen Anleitung von Auszubildenden, jungen Gesellen und Meistern.

Der Blick, den sie hinter die Kulissen eines mittelständischen Unternehmens mit derzeit 470 Mitarbeitern werfen können, hat sie dazu bewogen, an dem Praxistag mitzumachen. „Lehrer, die Praxisluft geschnuppert haben, können Schülern im Unterricht einen bestimmten Beruf viel besser vorstellen“, spricht Kristin Haseneder, die an der Carl-von-Linde-Realschule in Kulmbach die Fächer Werken, Kunst und Informationstechnologie unterrichtet, allen Teilnehmern aus der Seele. Sie hält es für wichtig, junge Leute für Handwerk und Technik zu begeistern, denn, so die jungen Pädagogin: „Ohne diese beiden Bereiche würde unsere moderne Gesellschaft nicht mehr funktionieren.“

Wie empfinden es die jungen Leute, einen Nachmittag lang in die Rolle von Lehrherrn schlüpfen zu dürfen? „Es macht Spaß, anderen Leuten das in Betrieb und Berufsschule erlernte Wissen zu vermitteln“, sagt Jens Schwämmlein. Der 18-Jährige aus Beikheim im Landkreis Kronach, der eine Lehre zum Konstruktionsmechaniker macht, war auch schon beim Praxistag für Schüler, der Ende März stattgefunden hatte, mit von der Partie. „Die Lehrer verfügen über mehr Hintergrundwissen als die Schüler. Ein Mathe- und Physiklehrer kann viel tiefer einsteigen in die Materie“, vergleicht er.


Text und Foto: Stephan Stöckel

 

 

Auch Schweißen will gelernt sein. Das erfahren der Kulmbacher Schulrat Mario Schmidt (links) und Förderlehrer Karl-Heinz Jäger (Mitte) von der Lichtenfelser Herzog-Otto-Schule beim Praxistag für Lehrer in der Maschinenfabrik Fischer in Burgkunstadt. Letzterer darf unter der Anleitung von Mathias Bär ein Winkelblech schweißen.

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