Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, November 2012

Deutschlands bester Zerspaner

 
Stefan Hopf ist Deutschlands bester Zerspaner
 

Vor zwei Wochen bekam Stefan Hopf aus Wölkendorf im Landkreis Bamberg einen Schock. Gerade vom Einkaufen nach Hause gekommen, fand er einen Umschlag in seinem Briefkasten. Der Absender: Die Deutsche Industrie- und Handelskammer. „Da stand drin, dass sie mir zum Bundesbesten gratulieren“, erzählt der 21-Jährige. Bundesbester in seinem Ausbildungsberuf „Zerspanungsmechaniker“ – von rund 8000 Konkurrenten. Beim Gedanken, dass er seine Lehre bei der Firma Karl Eugen Fischer aus Burgkunstadt mit dem besten Notendurchschnitt aller Zerspanungsmechaniker absolviert hat, „musste ich erst einmal grinsen“, erzählt er. Sein Notendurchschnitt: 1,1. Viel besser geht es kaum.

Dabei brachte ihn seine Ausbildung mehr als einmal in Erklärungsnöte.

Zerspanungsmechaniker, was ist das überhaupt? Stefan Hopf kennt die Frage. „Wenn ich jemandem erkläre, was ich beruflich mache, tauchen erst einmal Fragezeichen auf“, sagt der 21-Jährige. Dabei steckt die Antwort schon im Namen „Zerspanungsmechaniker“: Mittels Fräsen oder Drehen wird Material in Form von Spänen von einem Werkstück abgetragen. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es doch etwas komplizierter: „Ich bearbeite Werkstücke nach einer Zeichnung. Ich bohre, schneide Gewinde und fräse Flächen“, verdeutlicht Hopf. Der 21-Jährige gebraucht wenige Wörter für seine Erklärung, Ausschmückungen sind seine Sache nicht, weswegen ihm Markus Petterich, sein ehemaliger Ausbilder, zur Seite springt: Auf jeden Tausendstel Millimeter komme es bei seiner Arbeit an.

Dreieinhalb Jahre hat Stefan Hopf gelernt, ist zwischen 2008 und diesem Jahr immer wieder zwischen Ausbildungswerkstatt und den Fachabteilungen hin- und hergependelt. Fleißig sei er gewesen, bestätigt Petterich, allerdings habe auch der Lehrling Hopf mit manchen Dingen seine Probleme gehabt. Vor allem, wie er ein Werkstück in Angriff nehmen sollte, fiel ihm schwer: „Wie spann’ ich das Teil auf? Mit welcher Fläche fang’ ich an? Das war für mich das Schwierigste.“

Leicht war seine Ausbildung nicht, betont Stefan Hopf. Aber sein Beruf macht ihm Spaß: „Am meisten, wenn das Werkstück eine schwierige Kontur hat, weil man jeden Punkt berechnen und eingeben muss. Das fordert mich heraus.“ Und diese Herausforderung hat der Zerspanungsmechaniker täglich: „Jedes Teil, das wir machen, machen wir in dieser Form genau einmal.“

Seit Februar ist Stefan Hopf, Deutschlands bester Zerspanungsmechaniker, Geselle und voll in die Produktion bei Karl Eugen Fischer integriert. Seine fertigen Werkstücke werden in den Maschinen verbaut, die sein Arbeitgeber an die Reifenindustrie in aller Welt liefert. Mit einer kleineren Maschine hat er bis vor Kurzem noch Teile bearbeitet, die auf jeden Schreibtisch passen würden. Die Werkstücke, mit denen er es heute zu tun hat, sind etwas größer. „Die Teile sind ein bis zwei, manchmal aber auch drei bis vier Meter lang. Die bekommt man dann nur noch mit dem Kran auf die Maschine.“

 

 

Seit einem Monat arbeitet er an einer neuen Maschine. Der bohrende und fräsende Kasten ist gut neun Meter lang, sechs Meter breit und dreieinhalb Meter hoch. Die Bedieneinheit ist das Kommandozentrum: Auf dem Bildschirm blinken Messwerte, und Hopf kann einen schwenkbaren Arm des Geräts mittels Joystick bedienen.

Die Maschine ist eine neue Herausforderung für Stefan Hopf, weil es viel schwieriger sei, „die Maße einzuhalten“, je größer das Werkstück ist. Außerdem muss er sich erst noch an die Maschine gewöhnen. Drei bis vier Monate wird er noch brauchen, bis er sich an das Gerät gewöhnt hat, „noch lerne ich jeden Tag“. Konzentration sei deshalb besonders wichtig, denn „wenn mal ein Millimeter fehlt, kann man ihn nicht mehr drauffräsen“. Das weiß auch Markus Petterich: „Das ist jetzt schon sehr viel mehr Verantwortung, weil ein kleiner Fehler bei einem großen Teil gleich einen großen Ausschuss bedeutet“, sagt er.

Markus Petterich ist stolz auf seinen ehemaligen Azubi und hofft, dass er Karl Eugen Fischer erhalten bleibt. „Zerspanungstechniker sind sehr selten“, sagt Doris Gerstner, zuständig fürs Personal des Burgkunstadter Unternehmens. In Stefan Hopf haben sie immerhin Deutschlands besten.

Text und Foto: FT - Jan Koch

 

 

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