Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, Mai 2014

Schnupperkurs zur richtigen Ausbildungswahl

Praxistag bei der Maschinenfabrik Fischer erfreut sich großer Beliebtheit. Er hilft vielen Jugendlichen beim Einstieg
 

Abkantpresse, Hebel-Blechschere oder Flammrichtbrenner: Vor zwei Jahren waren das noch böhmische Dörfer für Florian Zapf aus Burkheim. Inzwischen sind die Ausdrücke zum festen Bestandteil seines alltäglichen Vokabulars geworden, ist aus dem ehemaligen Schüler ein frischgebackener Lehrling geworden. „Der Praxistag hatte mich damals dazu animiert, den spannenden Beruf des Konstruktionsmechanikers zu ergreifen. Wie man mit einem ein Milimeter dünnen Draht eines Schweißgerätes einen elf Meter langen und 2,4 Tonnen schweren Verfahrrahmen aus Stahl herstellen kann, fasziniert mich immer wieder aufs Neue.“ 

Tobias Zollnhofer aus Kaspauer durfte damals ebenfalls in den Beruf des Konstruktionsmechanikers hineinschnuppern. Auch aus ihm ist ein angehender Mechaniker geworden. „Unser Praxistag trägt Früchte“, freut sich Ausbildungsleiter Markus Petterich von der Maschinenfabrik Fischer aus Burgkunstadt, die Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt. Damit auch in Zukunft der Quell des Nachwuchses nicht versiegt, geht der Schnuppertag am vergangenen Freitag und Samstag in die zweite Runde. Insgesamt 18 Jungen und drei Mädchen informieren sich über den Beruf des Konstruktionsmechanikers, der ein Schattendasein fristet. 

Vertauschte Rollen: Diesmal sind es Zapf und Zollnhofer, die den technischen Horizont der Schüler erweitern, die vom Mechanikerberuf nur eine vage Vorstellung haben. Einer von ihnen ist der 14-jährige Simon Krappmann. Unter der Anleitung Zapfs darf er mit einer Handhebelschere aus einem Stück Blech einen Kreis ausschneiden. „Das hast Du sehr gut gemacht“, lobt Zapf den 14-jährigen. Er habe die Linie genau verfolgt, langsam und genau gearbeitet, beschreibt er seine Arbeit. „Nur am Schluss habe ihn die Kraft etwas verlassen.“ Aber bekanntlich ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen! 

Auch der gleichaltrige Julien Passon aus dem Kasendorfer Ortsteil Lopp ist mit Feuereifer dabei. In der Lehrwerkstatt dürfen sich beide unter der Anleitung von Lehrlingen nach Herzenslust handwerklich austoben. Sie lernen den Umgang mit der Handblechschere und der Bügelsäge, biegen mit Hammer und Biegeklotz ein Blech um. Aus dem berufenen Munde von Sicherheitsfachkraft Gerhard Barnickel erfahren die jungen Leute, dass Sicherheit bei der Firma Fischer oberste Priorität hat. Und sogar Schweißen dürfen die Teilnehmer bei ihrem Rundgang durch die Fabrikhallen.

Bereits in der Pause, in der sich die Teilnehmer des Praxistags mit Brötchen und Limonade stärken, steht für die beiden fest: „Wir wollen einmal Konstruktionsmechaniker werden.“ Für Passon, der die Max-Hundt-Schule in Kulmbach besucht, ist das ein sehr abwechslungsreicher Beruf, der, wenn man es nicht gewohnt sei, ganz schön auf die Arme gehe. Auch Krappmann hat es viel Freude bereitet in den Beruf hinein zu schnuppern. „Ich bin von Haus aus Tüftler. Ich bastle gerne an meinem Fahrrad herum und helfe meinem Papa beim Reifen wechseln.“ 

Ein Bürojob wäre nichts für sie. Beide wollen körperlich arbeiten und sich um eine Lehrstelle bei der Maschinenfabrik bewerben. Krappmann, der auf die Viktor-von-Scheffel-Berufsschule in Bad Staffelstein geht, hat bereits ein Praktikum in dem Unternehmen durchlaufen, Passon möchte sein Schulpraktikum hier absolvieren. Doris Gerstner, Mitarbeiterin in der Personalabteilung, hört es mit Freude: „Der Praxistag vor zwei Jahren war ein Riesenerfolg, der uns einige Azubis bescherte. Ich hoffe, dass das auch diesmal der Fall sein wird.“ 

Wie ist die Firma an die jungen Leute gekommen? „Wir haben an Schulen in den Landkreise Kulmbach und Lichtenfels sowie auf der Lichtenfelser Ausbildungsmesse gehörig die Werbetrommel gerührt. In Zeiten, in denen es immer weniger Schulabgänger gibt, muss man Flagge zeigen“, sagt Petterich. Damit der Praxistag im Kopf der jungen Leuten präsent bleibt, dürfen sie, wie schon vor zwei Jahren, mit einer Abkantpresse aus Aluminium und Edelstahl originelle Produkte herstellen: „Ein Kleiderhaken und ein Spitzer – was man als Konstruktionsmechaniker nicht alles herstellen kann“, staunt Passon und Krappmann nickt ihm zu. 

Der Konstruktionsmechaniker für Stahl- und Metallbau - Fakten

  • Ausbildungszeit
3,5 Jahre
  • Berufsschulstandort
Lichtenfels
  • Tätigkeiten
Fügen und Trennen von Bauteilen durch Schweißen, Löten, Schrauben, Nieten, Schneiden, Sägen, Schneidbrennen und Bohren. Blechbearbeitung wie Abkanten und Schneiden von Blechen auf modernsten CNC – gesteuerten Abkantpressen und Tafelblechscheren
  • Voraussetzungen
Gute Noten in folgenden Fächern: technisches Zeichnen, technisches Werken, Mathematik, Physik, Deutsch und Englisch
  • Persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten der Bewerber
Leistungsbereitschaft, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, logisches und selbständiges Arbeiten, Kreativität, Konzentrationsfähigkeit, Interesse an Technik und handwerkliches Geschick

 

Text:  Stephan Stöckel
Fotos: Stephan Stöckel

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