Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, Januar 2015

Deutschlands bester Konstruktionsmechaniker

 
Jens Schwämmlein ist Deutschlands bester Konstruktionsmechaniker im Jahr 2014
 

Wenn Dieter Bohlen seine Superstars sucht, dann sind eine ausdrucksvolle Stimme, ein gutes Aussehen und ein mitreißender Auftritt gefragt. Wenn der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nach seinen Super-Azubis Ausschau hält, dann sind ganz andere Fähigkeiten angesagt. So wie bei Jens Schwämmlein aus Beikheim im Landkreis Kronach, der Deutschlands bester Konstruktionsmechaniker ist. „Man muss gewissenhaft und präzise arbeiten, Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen und Konstruktionszeichnungen gut lesen können“, rät der 21-jährige all jenen, die in seine Fußstapfen treten wollen. 96 von 100 Punkten hat der junge Mann aus Beikheim, einem Ortsteil der Gemeinde Schneckenlohe, in der Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer erzielt, was einem hervorragenden Notendurchschnitt von 1,1 entspricht.

Schwämmlein hat Anzug und Krawatte gegen den Blaumann getauscht. Doch die Freude über die hohe Auszeichnung steht ihm auch zwei Tage nach seinem Berlin-Besuch ins Gesicht geschrieben. 224 Lehrlinge waren am Montag in der noblen Atmosphäre des Maritim-Hotels im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Entertainerin Barbara Schöneberger als Deutschlands beste Auszubildende ausgezeichnet worden. Noch am selben Tag hatte die „Bild-Zeitung“ getitelt: „Das sind Deutschlands Super-Azubis“.

Ein Ausdruck, der dem jungen Mann, der einen bodenständigen Eindruck macht, so gar nicht behagt: „Zweifelsohne war es eine Ehre für mich neben Barbara Schöneberger zu stehen. Stolz auf meine Leistung bin ich auch, doch Super-Azubi klingt mir eine Spur zu großspurig.“ Schwämmlein hätte es sich nie träumen lassen unter 3300 Prüflingen, die es bundesweit in diesem Jahr waren, zu den Besten zu zählen.

Der Beruf eines Konstruktionsmechanikers ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Licht ins Dunkel bringt der erfolgreiche Azubi: „Aus Rohstoffen wie Blechen, Flach- oder Winkelstählen stelle ich mittels Abkanten, Brennschneiden oder Schweißen verschiedene Konstruktionen, Maschinengestelle und Rahmen her, die dann später in komplette Maschinen, nämlich Corschneideanlagen für die Reifenindustrie verbaut werden.“ Und die haben ihr Gewicht: Zwischen 20 Kilogramm und eineinhalb Tonnen wiegen die einzelnen Teile, erläutert der junge Mann fachmännisch.

Sein Onkel Thomas Bauer, der ebenfalls in Beikheim wohnt, hatte in ihm das Interesse an der Welt der technischen Berufe geweckt. „Auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb hat er mir das Schweißen beigebracht, durfte ich seine Maschinen reparieren.“ Den Ausschlag für den Beruf des Konstruktionsmechanikers gab dann ein Praktikum bei der Maschinenfabrik Fischer im März 2009. Ausbildungsleiter Markus Petterich, der beim Pressegespräch ihm schräg gegenüber sitzt, zückt zur Überraschung Schwämmleins eine Projektarbeit hervor, die der junge Mann einst an der Siegmund-Loewe Realschule in Kronach anfertigen musste. „Im Moment wüsste ich keinen Beruf, der mir mehr Spaß macht als der Konstruktionsmechaniker“, zitiert der Experte, aus dessen Augen ein stolzer Blick auf seinen Azubi funkelt

 

 

Dieser gibt offen zu, dass er mehr Praktiker als Theoretiker ist, dass er die handwerklich-körperliche Arbeit der Büroarbeit vorzieht. Schwämmlein weiß, dass nicht nur Fleiß, Können und das Interesse an dem Beruf, einen hervorragenden Konstruktionsmechaniker aus ihm geformt haben. „Daran hatten auch alte Hasen im Betrieb, wie Detlef Goller, die mir jede Menge Tricks und Kniffe beibrachten, ihr Scherflein dazu beigetragen.“

Darauf angesprochen, ob er seinem Arbeitgeber die Musterlösungen auf dem Präsentierteller servieren werde, wiegelt der junge Mann, der sich vorstellen kann einmal Techniker oder Meister zu werden, in seiner gewohnt bescheidenen Art ab: „Das wird es nicht geben. Weil man im Berufsleben nie auslernt und immer neue Erfahrungen sammelt.“

Die Maschinenfabrik Fischer aus Burgkunstadt stellt Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie her. Sie ist Weltmarktführer auf diesem Gebiet. Fast alle namhaften Reifenhersteller arbeiten mit dem mittelständischen Unternehmen zusammen, das derzeit rund 500 Mitarbeiter zählt. Eine eigene Ausbildungswerkstatt mit hauptamtlichem Ausbilder, Praxistage für Lehrer und Schüler sowie Kooperationen mit zahlreichen Schulen – der Ausbildung wird im Hause Fischer, wo aktuell 47 junge Leute ausgebildet werden, ein hoher Stellenwert eingeräumt. 2009 wurde der Betrieb mit dem Ausbildungslöwen des Landkreises Lichtenfels ausgezeichnet. Jens Schwämmlein ist nicht der erste Lehrling, der zu Deutschlands Super-Azubis zählt. 2012 war Stefan Hopf aus Wölkendorf bei Bamberg Deutschlands bester Zerspannungsmechaniker. „Man muss bei den einzelnen Lehrlingen individuell auf deren Stärken und Schwächen eingehen, diese fördern beziehungsweise beheben. Nach diesem Grundsatz wird in unserem Unternehmen gearbeitet“, bringt es Ausbildungsleiter Markus Petterich auf den Punkt.

Text und Foto: OT - Stephan Stöckel

 

 

zurück zu NEWS