Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, Juni 2017

Firmenname gilt als weltweites Synonym

Maschinenfabrik Fischer ist Weltmarktführer von Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie - immer ein Unikat

Wenn von einem Papiertaschentuch die Rede ist, dann spricht man landläufig oft von einem „Tempo“, auch wenn auf der Packung etwas ganz anderes steht. Das weiße Tüchlein zum Schnäuzen ist eines der wohl bekanntesten Beispiele für einen Markennamen, der sich verselbständigt hat und zum Gattungsnamen geworden ist. Doch auch die Stadt Burgkunstadt hat einen Gattungsnamen hervorgebracht. „Wenn man in der Reifenindustrie von einer Cordschneideanlage spricht, dann ist oft von einer ‚Fischeranlage‘ die Rede. Unser Firmenname ist quasi zu einem Synonym für Cordschneideanlagen geworden“, sagt Geschäftsführer Detlef Knorr von der Maschinenfabrik Fischer. Kein Wunder bei einem Marktanteil von 70 Prozent. „Von den zehn erfolgreichsten Reifenherstellern vertrauen neun dem Know-How aus Burgkunstadt“, streicht der Redner mit Stolz heraus.

Die Firma Fischer, Weltmarktführer im Bereich der Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie, feiert in diesem Jahr ihr 77-jähriges Bestehen. In der Firmenchronik steht geschrieben: „Als wir Anfang der 50er Jahre auszogen, um die Welt zu sehen, wer glaubte damals schon, dass die Welt einmal zu uns kommen würde.“ Inzwischen pflegt man Geschäftsbeziehungen mit Kunden aus 65 Ländern. Zwei Tochterunternehmen erblickten 1983 beziehungsweise 2009 das Licht der Welt: das eine in Lawton im US-Bundesstaat Oklahoma, das andere im chinesischen Qingdao, der ehemaligen deutschen Kolonie.

Wie kam es, dass aus einem mittelständischen Maschinenbaubetrieb aus der oberfränkischen Provinz eine Firma von Weltrang wurde? Der Helmbrechtser Heimatkundler Otto Knopf spricht in seiner historischen Abhandlung über die Firma Fischer („Der Beginn einer eisernen Epoche“) aus dem Jahre 2003 vom „großen Wurf“, zu dem das Unternehmen im Jahre 1971 ausgeholt hatte. „Damals wurde von Textilcord- auf Stahlcordreifen umgestellt. Stahlcord, ein Drahtseil aus Stahldraht versehen mit einer dünnen Schicht Messing oder Zink, kombiniert mit Gummi, lässt sich nur schwer schneiden. Mit einem neuen Verfahren gelang es unserer Firma, das Problem zu lösen“, erläutert Ralf Klenner.

Zusammen mit Detlef Knorr und Simone Thies bildet er ein Geschäftsführer-Triumvirat. Hinter dem internationalen Erfolgt steckt für Thies aber auch ein hartes Stück Arbeit, Klinkenputzen und so manch gute Idee. Jede Maschine, die eine der Burgkunstadter Werkshallen verlässt, ist ein Unikat. „Wir sind im Sondermaschinenbau tätig. Auf diesem Gebiet ist es wichtig, auf die Wünsche des Kunden einzugehen. Wenn man die Erwartungen erfüllt und das Produkt stimmt, dann spricht sich das weltweit in der Reifenbranche herum“, erläutert Simone Thies.

Begonnen hatte alles an einem anderen Ort und mit ganz anderen Produkten. Im Jahre 1940 erwarb Firmengründer Karl Eugen Fischer (1894 bis 1977) im lothringischen Saargemünd eine stillgelegte Maschinenfabrik, wo er mit der Herstellung von Tresoren begann. Vier Jahre später wurde der Betrieb auf behördliche Anweisung nach Burgkunstadt zwangsverlagert und zwar in die nicht mehr genutzten Räume der Schuhfabrik „Obermain“. Detlef Knorr spricht in seinen Ausführungen vom „Beginn einer eisernen Epoche“. 1947 erfolgte die Übersiedlung in ein eigenes Werksgebäude in den Mainauen unweit des Burgkunstadter Bahnhofs.

In den ersten Jahrzehnten wurden Produkte hergestellt, die man heute nicht mehr mit der Firma Fischer in Verbindung bringen würde. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung wurden zunächst die durch den Krieg zerstörten Brücken wieder aufgebaut. Hier nennt Knorr als Beispiel die Eisenbahnbrücke zwischen Hochstadt und Redwitz, die - man höre und staune! – aus Flakgeschützrohren hergestellt worden war. Später verließen 40000 Bratpfannen und mehr als 600 eiserne Küchenherde den Betrieb. Auch Webstühle erblickten in Burgkunstadt das Licht der Welt. Die Firma Fischer war früher eben sehr flexibel. Dahinter steckt für Thies jede Menge Unternehmergeist und eine gehörige Portion Findigkeit.

Zurück zur Gegenwart. Das Schlagwort vom Fachkräftemangel ist derzeit in aller Munde. Leidet auch die Firma Fischer, die derzeit 521 Mitarbeiter zählt, darunter? „Es ist uns bislang immer gelungen, alle vakanten Stellen und Ausbildungsplätze zu besetzen“, freut sich Thies. Der gute Ruf des Unternehmens trägt für sie und ihre Vorstandskollegen maßgeblich dazu bei. Sicherlich aber auch so manche pfiffige Idee, mit der das Unternehmen Jahr für Jahr bei der Lehrlingsakquise aufhorchen lässt: Im Rahmen von Workshoptagen werden Berufe wie der Konstruktionsmechaniker jungen Leuten vorgestellt. Auch einen Lehrertag gab es bereits, an dem Pädagogen für ein paar Stunden in die Rolle von Lehrlingen schlüpfen. Sie werden zu Multiplikatoren, die ihr erworbenes Wissen in die Schülerwelt hineintragen.

Tag der offenen Tür

Unter dem Motto „Ausbildungsplatz sucht Auszubildende“ lädt die Maschinenfabrik Fischer am 24. Juni zu einem Tag der offenen Tür ein. Für jeden Ausbildungsberuf gibt es im Ausbildungszentrum einen Infopoint. Von jedem Infopoint startet zu einer festen Uhrzeit ein Rundgang zum jeweiligen Ausbildungsstandort. Auch Betriebsrundgänge werden angeboten. Die Teilnehmer erhalten kleine Geschenke und können an einem Gewinnspiel teilnehmen. Außerdem macht der Info-Truck der Metall- und Elektroindustrie Station bei der Maschinenfabrik Fischer, der dazu einlädt, die Welt der Metallindustrie selbst zu erleben. In der unteren Etage gelingt dies zum Beispiel mit anschaulichen Experimentierstationen, an denen die Faszination Technik greifbar und erlebbar wird. Eine Anmeldung auf der Firmenwebsite www.kefischer.de ist bis zum 20. Juni 2017 zwingend erforderlich. 

 

Text: Stefan Stöckel
Fotos: Stefan Stöckel

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