Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, Juni 2017

Die Koordinaten stets im Blick

Der Info-Truck der Metall- und Elektro-Industrie machte halt bei der Maschinenfabrik Fischer

Unter der Anleitung von Helmut Zita programmiert Antonia Wölfel aus Obernsees eine computergesteuerte CNC-Fräsmaschine

Wohlüberlegt drückt Antonia Wölfel eine Taste nach der anderen - die X- und Y-Achsen immer im Blick. Denn nur mit einem Koordinatensystem kann die computergesteuerte CNC-Fräsmaschine wissen, welche Bewegungen erfolgen sollen. Der Fräser frisst sich durch die Aluminiumlegierung und der Buchstabe "W" ziert das matt glänzende Stück Metall, das die 17-jährige aus Obernsees voller Stolz in ihren Händen hält. Erfolgserlebnisse wie diese ermöglicht der Info-Truck der Metall- und Elektro-Industrie, der interessante Einblicke in die Welt dieser Berufsbranche gewährt. Am Samstag macht er Station bei der Maschinenfabrik Fischer in Burgkunstadt, die Schüler und ihre Eltern zu einem Tag der offenen Tür eingeladen hatte

Die Schülerin von der Gesamtschule Hollfeld ist begeistert von dem Angebot. "Hier kann man die in der Schule erlernte Theorie über das Koordinatensystem einmal in der Praxis anwenden", sagt die junge Dame. Sie hat keine Berührungsängste vor technischen Berufen, denen nachgesagt wird, nur etwas für Männer zu sein. "Ich bin das einzige Mädchen in meiner Klasse, das das Wahlpflichtfach Informatik besucht. Physik und Mathe zählen ebenfalls zu meinen Lieblingsfächern", erzählt sie. Die 17-jährige, die im nächsten Jahr das Abitur macht, könnte sich vorstellen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und ein duales Studium zu beginnen, wie es auch die Maschinenfabrik Fischer anbietet. Nach rund vier Jahren hat man zwei Abschlüsse in der Tasche: den Elektroniker für Betriebstechnik und den Bachelor of Engineering Elektro- und Informationstechnik

Während Wölfel noch ihren Traumberuf sucht, hat ihn Lukas Steuer (18) aus Burgkunstadt bereits gefunden: Im Herbst hat er seine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Firma Fischer begonnen. Den zwei Mitarbeitern im Truck vom Verband der Metall- und Elektroindustrie, Norbert Ammon und Helmut Zita, macht er ein klein bisschen Konkurrenz. Warum? Weil er nicht auf den Mund gefallen ist und er den zukünftigen Azubis vermittelt, dass er seinen Beruf mit Leidenschaft lebt, über den er schwärmt: "Es ist beeindruckend an einer Maschine mitbauen zu dürfen, die am Ende die riesigen Ausmaße von 40 bis 60 Metern annimmt und eine Ehre in einer Firma arbeiten zu dürfen, die Weltmarktführer auf dem Gebiet der Cordschneideanlagen ist."

Das ist das Besondere am Tag der offenen Tür: Nicht Ausbilder, sondern Auszubildende gewähren den zukünftigen Azubis aus eigener Erfahrung, einen Einblick in die Welt der dualen Ausbildung, erzählen vom Unterricht in der Berufsschule oder wie man sich richtig bewirbt. Das kommt an. Nicht nur bei den über 300 Teilnehmern, sondern auch bei Geschäftsführer Patrick Püttner vom Verband der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber. Nachwuchsgewinnung könne man nicht genug betreiben, sagt er mit Blick auf den derzeitigen Fachkräftemangel. "Im Oktober 2016 gab es im Freistaat in der Metall- und Elektroindustrie 36 500 offene Stellen", untermauerte er seine Sichtweise.

Elf Azubis bei Fischer

Bei der Maschinenfabrik Fischer kann man sich über fehlenden Nachwuchs nicht beklagen: "Für das neue Ausbildungsjahr sind wir wieder komplett. Elf Azubis und zwei duale Studenten verstärken unser Mitarbeiterteam", freut sich Geschäftsführerin Simone Thies. Szenenwechsel. Bei der Fischer dreht sich nicht nur alles um Technik. In der Einkaufsabteilung schnuppern Schüler in die Welt des Industriekaufmanns hinein. Und wieder ist es ein Lehrling, der ihnen seinen Beruf näherbringt und die Schüler mit einbezieht. "Auf was sollte man bei der Kontrolle einer Rechnung achten?", fragt Nicole Barnickel (18) aus Altenkunstadt in die Runde. Die Antworten folgen auf dem Fuße: "Auf die Anzahl der Artikel", "Auf den Preis", "Ob es auch der richtige Artikel ist". Ihr erstes Praktikum hatte Barnickel bei der Firma Fischer absolviert. "Sofort habe ich gemerkt, das ist meine Welt." Das spürt man auch beim Tag der offenen Tür, wo sie ihr Wissen über ihren Beruf gerne an Jüngere weitergibt. 

 

Nicole Barnickel aus Altenkunstadt (links) entführt Mittelschülerin Lena Marr (15) aus Mainklein in die Welt des Industriekaufmanns

 

Text: Stefan Stöckel
Fotos: Stefan Stöckel

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