Karl Eugen Fischer GmbH / Burgkunstadt, November 2018

Berufsbildung: Wenn Lehrer von Auszubildenden lernen

 Lehrer lernen von Lehrlingen - 2. Lehrerpraxistag

Unter Anleitung von Simon Dauer lernt Carmen Thierauf, Lehrerin für Deutsch und Religion an der Realschule in Burgkunstadt, Kantbiegen im Schraubstock.

„Mit Metallbau hat man im Deutschunterricht eher weniger zu tun“, erklärt Carmen Thierauf, Lehrerin für Deutsch und Religion an der Realschule in Burgkunstadt. Unter Anleitung von Simon Dauer, Auszubildender im ersten Lehrjahr, lernt die Pädagogin Kantbiegen im Schraubstock. Also Grundlagen, die alle gewerblichen Auszubildenden der Maschinenfabrik Fischer in der Lehrwerkstatt in den ersten vier Monaten ihrer Berufsausbildung lernen. Erst danach geht es in die jeweiligen Abteilungen.

Beim Lehrerpraxistag der Maschinenfabrik Fischer, die Cordschneidanlagen für die Reifenindustrie herstellt, waren es die Lehrer, denen ihre ehemaligen Schüler etwas erklärten. Insgesamt 29 Pädagogen erhielten einen Einblick in das Aufgabenspektrum von vier Berufen: Dem des Konstruktionsmechanikers, des Industriemechanikers, des Zerspannungsmechanikers und des Technischen Produktdesigners. Nach dem Erfolg von 2015 war es bereits der zweite Lehrerpraxistag.

„Es war interessant, einmal einen Einblick zu bekommen, was später auf unsere Schüler zukommen kann“, erklärt Carmen Thierauf. Während in der Lehrwerkstatt auch die Realschullehrer selbst Hand anlegen können, erwartet sie in den einzelnen Abteilungen die „reale“ Arbeitswelt, vorgestellt von Azubis in den letzten Ausbildungsjahren. Aufgeteilt in vier Gruppen lernen die Lehrer die einzelnen Arbeitsbereiche der Maschinenfabrik kennen. Vom Stahlbau über die mechanische Abteilung und die Montage bis hin zum Computer-Arbeitsplatz des Technischen Produktdesigners.

Im Stahlbau beeindruckt eine moderne computergesteuerte Maschine, die passgenau unter Vermeidung von Verschnitt aus einer großen Metallplatte kleinere Bauteile herausschneidet. Funken sprühen auf, als die Anlage mit dem Brennschneiden neu ansetzt.

Wissensvorsprung vor den Lehrern

„Ich kenne so gut wie alle Lehrer“, sagt Maximilian Koch, Industriemechaniker im vierten Lehrjahr. Nach seinem Eindruck befragt, erklärt der 21-Jährige, er sei stolz, dass er Lehrern auch einmal etwas erklären kann.

„Es war interessant, einmal einen Einblick zu bekommen, was später auf unsere Schüler zukommen kann.“ Carmen Thierauf, Realschullehrerin (Deutsch, Religion)

„In der Realschule geben sie uns Schülern das Rüstzeug mit auf den Weg, das wir später im Berufsleben brauchen.“ Alexander Gahn steuert noch einen weiteren Aspekt bei. Jetzt hätten sie einen Wissensvorsprung als „kleiner Schüler“ den „Respektspersonen der Lehrer“ gegenüber.

„Wo gehen den die Späne hin?“, wollen Lehrerin Christine Löhrlein und Verwaltungsangestellte Tanja Ledwig an einer Dreiachs-Fräsmaschine, an der gerade ein Werkstück bearbeitet wird, wissen.

Doch auch unvermittelt auftauchende Fragen können Stefan Hopf nicht in Verlegenheit bringen. „Der Kühlschmierstoff spült die Späne gleichzeitig mit der Bearbeitung in einem Arbeitsgang nach hinten“, erklärt er souverän. Die Späne werden in einem Behälter in der Fräsmaschine gesammelt.

Der Praxistag ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Beide Seiten fühlen sich in ihren neuen Rollen sichtlich wohl. Jetzt können die Lehrer ihren Schülern genau erklären, was sie im Berufsleben bei der Maschinenfabrik Fischer erwartet.

Traumjob Konstruktionsmechaniker

Immerhin haben seit 2010 bereits über 1000 Schüler aus der Realschule Burgkunstadt ein Praktikum bei der Karl Eugen Fischer GmbH absolviert. Wie Jonas Marr, der insgesamt zwölf Praktika bei Fischer absolvierte. „Ich wollte unbedingt hierher“, erklärt der junge Mann, der sich im vierten Lehrjahr zum Konstruktionsmechaniker befindet.

An dem Gespräch in der Kantine beteiligen sich neben Jonas Marr auch Nicole Barnickel, Auszubildende im dritten Lehrjahr zur Industriekauffrau, und Claudia Kunstmann aus der Personalabteilung.

Den Rollentausch finden beide Auszubildende spannend. Dabei können sie ihren ehemaligen Lehrern beweisen, dass aus ihnen etwas geworden ist.

Zurzeit beschäftigt die Maschinenfabrik Fischer 48 Auszubildende und für das Jahr 2019 haben bereits 13 Bewerber Ihren Ausbildungsvertrag unterschrieben.

 

Text: Gerda Völk
Fotos: Gerda Völk

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